Dienstag, 5. Februar 2013

Testosteron ... und Fußball


... so einfach ist das - mit simplen Geistern. Zwei sehr hochgepuschte und testosteronlastige Typen haben ein Taxi bestellt. Sie kommen in "Karnevalsmontur"- gar nicht mal übel - der eine von beiden in meiner "Lieblingsmontur" seit einigen Jahren - ich weiß nicht mal, wie ich die nennen soll. Es sind quasi Kostüme, Jacken - aus der Zeit der sogenannten "Dichter und Denker" - also zumindest nach außen hin gediegen. Und wirklich sehr schick - für meinen Geschmack. Würde mir - bei gegebenen Kohlevorräten - durchaus ernstlich ein solches Gewand schneidern lassen - aus feinstem Material.
Drin steckt aber - trotz edlem Abholviertel - viel Proll. Und vermutlich auch viele Drogen. Nebst Alkohol - erscheinen die beiden Herren mir recht aufgepuscht. Vielleicht Koks .....
"Schätzelein, Herzelein - kannst Du bitte mal sofort und stante pede Karnevalsmusik laufen lassen!" Ich erwidere - daß ich gerade ein gutes Kabarett-Programm anzubieten habe im Radio - meine Lieblingssendung läuft. Nein - das wollen sie nicht. Nein - Karnevalsmusik habe ich nicht im Angebot - das sei auch Körperverletzung für mich. Aha! - ich sei also keine Kölnerin! Im Gegenteil - ich bin sogar hier geboren. !!!??? Ja - ich gehöre eben zu den anderen 50%. Nein - das seien maximal 5 %. Ich gebe noch kurz zu bedenken - daß die 50 % Anti-Karnevalisten der Kölllner - eben immer wieder bereitwillig die Stadt verlassen - um den anreisenden Touris das Feld zu räumen.
Merke aber zügig - die sind gerade sehr frech. Bzw. - besonders der eine von den beiden.  Der Andere, der neben mir sitzt,  ist recht harmlos - oder besser gesagt "kompatibel". Das ist schon viel wert. Von hinten ertönt es - ich solle doch mal die Kindersicherung für die Fenster freigeben. Der vorne meint - es stinke wirklich allzu sehr nach viel zu viel Parfüm, mit dem sein Kumpel sich eingenebelt hat.
Dann wird noch dies und das gewünscht - und ich denke bei mir "Gut - daß ich gerade gute Laune habe!" Früher mal - wäre ich mit solchen Typen sehr zügig aneinandergeraten. Besonders - weil ich sie ernst und persönlich genommen hätte. Heute - lasse ich oft "untereinander schlichten" - und sag nichts weiter. Außer - zutiefst sarkastisch  - sowas wie "Ja sicher - soll ich Euch vielleicht noch ein paar Schnittchen servieren während der Fahrt?!!!" Genau - das sage ich gerade. Es trifft einerseits den Kern - und sorgt aber auch wieder für einen gewissen Humor in der engen Blechbude.
Nachdem "mir"  quasi noch unterstellt wird - daß ich vermutlich prüde sei - weil ich nicht zu Karneval ficken gehe - meine ich nur - daß wohl das Gegenteil der Fall sei. Also - daß nur die zu Karneval ihren sexuellen Gelüsten endlich nachgeben, die sie über´s Jahr über nicht ausleben. Die beiden Testosteronen - begreifen natürlich nichts von alledem - wobei der Eine wenigstens noch drüber nachzusinnieren versucht und meint: Tja - da ist wohl was dran. Eigentlich - wäre das nicht wirklich befriedigend mit dem Sex, wenn man ohnehin nur noch völlig strack irgendwo an einem Tresen abhängen würde.

Der "vermeintlich-verkappte" - aber durchaus offen Aggressive von hinten meint zu seinem eher moderaten Kumpel vorne - dieser solle doch mal das Radio auf den richtigen Sender einstellen. Ich werde kurz nochmal sehr deutlich - und sage laut - daß das hier mein Cockpit ist. Punkt. Und: Finger weg! (vom Cockpit natürlich)
Aha .... Ich soll doch mal - Fußball ins Radio drehen. Merke - ohne vorab genau  zu wissen, warum - es wird hier wirklich das Beste sein. Gehe auf den Fußball-Übertragungssender und drehe die Lautstärke deutlich hoch - für mich schon fast schmerzhaft. Nicht nur für meine Ohren - sondern vor allem wegen für mich unerträglichem Blödsinn - der da hochstilisiert wird mittels simpler, ewig repitierter  "Sport-Reporter-Rhetorik" - also so, als würde gerade wirklich etwas Aufregendes passieren. Ich kann endlich in Ruhe gähnen - denn ich bin wirklich müde.
Die beiden zuvor vermeintlich testosteron-lastigen Typen mit ihren ewig-langweiligen-sexistischen Kommentaren - halten ihre Klappe und sind völlig gebannt. So einfach ist das also. So simpel. Gut - zu wissen. Daß viele Typen simpel gestrickt sind - war mir ja ganz sicher nicht neu - aber das sie derart simpel gestrickt sind - habe ich erstmals in dieser unerschütterlichen Klarheit registriert- die ich mir natürlich auch in Zukunft ggf. derart nutzbar machen kann.
Testosteron - ist offenbar sehr flüchtig - und kann leicht umgelenkt werden.
Wie gesagt - nichts Neues unter der Sonne - aber in der Intensität schon erstaunlich.
Bei mir bleibt diese manchmal leichte, subtile Übelkeit - die sich auftut, wenn mensch jahrelang mit Kreti und Pleti zu tun hat.
Gut, daß ich einen Pferdemagen habe!

Dienstag, 29. Januar 2013

Manchmal fahre ich diese Frau ...

... die ich einst traf, als sie um die Ecke wollte. Sie war aus dem Krankenhaus abgehauen - und wollte nur mal kurz nach Hause und wieder zurück. Sie hielt es nicht aus den ganzen Tag im Krankenhaus - und entschwand immer mal wieder, auf eigene Faust. Schon das - machte sie mir sympathisch. Sie bat mich, sie am kommenden Sonntag bei sich abzuholen für eine längere Tour - und sagte mir dann fünf Minuten vorher ab. Ich fuhr zum nächsten Halteplatz und stellte mich in die Reihe - wo ich sie dann plötzlich doch erblickte, wie sie auf einer Mauer saß und ein Zigarillo rauchte. Sie hatte mich wohl auch wiedererkannt und kam zur Limousine, um zu fragen, ob wir jetzt doch fahren könnten. Ja - sicher.
Seither sind wir immer mal wieder zusammen unterwegs. Ich bringe sie zu ihrem schwerbehinderten Sohn, der auch einmal mitfuhr. Oft warte ich dort einfach eine kurze Weile - vor dem Wohnheim - und fahre sie dann wieder nach Hause zurück. Bis heute - blicke ich nicht durch. Sie ist sehr angeschlagen und konnte zeitweise nur noch mit einem Rollator gehen - kürzlich kam sie recht lebendig mit einer Krücke für den Notfall, es war wieder besser geworden. Manchmal erzählt sie wirre Geschichten - besonders von Arztbesuchen - und dann ist sie wieder ganz hell und klar.
Sie muß gebildet sein - und sie muß einst ein komplett anderes Leben gelebt haben. Sie hat Charme und Humor und eine sehr angenehme Art, zu kommunizieren. Wir reden - nicht wirklich viel, aber wenn, dann eher Essentielles. Und - wir machen aus unseren Touren - jeweils eine Art kleinen Urlaub - bzw. einen Ausflug. Meist scheint die Sonne für uns, wenn wir losfahren. Oder sie kommt während der Fahrt raus und lacht.
Einmal brachte ich ihr einen kleinen, feinen Karneol mit, den ich zuhause hatte. Gegen ihre Beschwerden - für ihre angeschlagenen Knochen. Das hat ihr eine derartige Freude bereitet, daß sie mir bis heute immer mal wieder davon erzählt, wie gut ihr dieser schöne Stein tut. Und wenn sie mal aufgeregt ist, nimmt sie diesen einfach in die Hand - und schon wird es besser. Immer, wenn sie von diesem Stein spricht, verfällt sie ins Duzen. Ansonsten sind wir per "Sie". Einen telefonischen Neujahrsgruß und beste Wünsche ihrerseits für mich - übermittelte mir mein Handy seltsamerweise erst zwei Wochen später. Ich reagierte nicht weiter im Außen, aber freute mich innerlich. Jetzt waren wir erstmals wieder unterwegs, nach gut einem Monat. Und ich hatte zuvor auch ein paar unangenehme Gefühle - die einzig darauf beruhen, daß ich mir keine "potentiellen Pflegefälle" via Limousine zulegen möchte. Was widerum Blödsinn ist - denn diese Frau meistert trotz aller Hürden ihr Leben sehr gut. Ich freute mich dann sehr, als ich sie wiedersah. Und sie sich wohl auch. Wieder - waren wir uns einig, daß wir einen guten Ausflug zusammen machen werden. Sie berichtete mir von einem Taxi-Kollegen, mit dem sie etwa ein Jahr lang gefahren sei - der hätte aber keinen Humor gehabt und immer gesagt "Arbeit ist Arbeit". Tja .... Arbeit ist es zwar schon - aber auch und manchmal besonders eine Einstellungssache. Mit der richtigen Einstellung kann zumindest diese Form der Arbeit - auch öfter in ein Vergnügen münden. Und in Begegnungen - die sich sonst so nicht ergeben hätten.
Als sie wiederkommt zur Limousine zum verabredeten Zeitpunkt - hat sie diese Krücke vergessen. Ich sage "Soll ich mal eben hochspringen?" - denn ich bin wahrlich besser auf den Beinen als sie. Ja - gerne. Oben im zweiten Stock dieses Wohnheimes für Schwerbehinderte - frage ich zwei sehr nette Pfleger, ob sie mir helfen können, die Krücke von Frau Soundso zu orten? Ihr Sohn und ein anderer Junge sind auch auf dem Flur. Der andere Junge - faßt mich sofort an, "befühlt" mich - und ich erinnere mich instantan an zwei königlich-reiche Wochen einst, bei denen ich als Betreuerin auf einer Fahrt mit Behinderten nach Holland ans Meer mitreiste. Selten zuvor hatte ich soviel seltsam-colorierte und unerwartete Freude - mit diesen "unschuldigen" und zutiefst im Moment befindlichen Menschen.  Die kurze Berührung dieses Wesens - berührte mich also. Und ich freue mich über die echte Freundlichkeit der beiden Pfleger. Als ich erfolglos wieder rauskomme - hat meine Fahrgästin ihre Krücke bereits geortet - sie hatte sie im Parterre in einer Ecke vergessen. 
Sie erzählt mir u.a. heute, daß ihre Schwester, ihr Ex-Mann und ein paar Bekannte sie unter Druck zu setzen versuchen würden. Ich frage, warum sie meine, daß diese das tun würden? Erstaunliche und klare Antwort: Damit sie sich als die besseren Menschen fühlen können. Ja - da hat sie wohl recht. So läuft es oft - unter Menschen. Und wir haben wieder mal zusammen etwas sehr Essentielles besprochen.
Zu meiner freudigen Verwunderung bemerkt sie heute - etwas über einen angenehmen Fahrstil, wie Fließen sei das gewesen. Fein. Zuvor hatte sie immer Angst gehabt und ich habe bei ihr daher drauf geachtet, nicht zu zügig zu fahren. Heute - haben wir wohl beide nicht einmal darüber nachgedacht.

Süße Fahrgäste ....

... Süßwarenmesse in der Kolonie. Internationales Publikum. Fein. Ich mag das. Studiere jeweils die verschiedenen Mentalitäten und besonders die differente Gesprächskultur. Die anders-sozialisierten Leute - machen andere Gespräche auf, als die meisten Einheimischen. Niemand von den "Internationalen" macht ein Gespräch über´s Wetter auf - hallelujah. Ich werde z.B. sowas gefragt wie - ob ich gerne hier lebe. So eine "Eröffnung" - macht viel potentiellen Raum auf - aus dem interessante Unterhaltungen entstehen können.
Im Hotel "greife" ich mir einen Australier an der Rezeption ab, als er gerade kundtut, daß er ein Taxi bräuchte. Ich sage (huch?!) - "Ich BIN ein Taxi. Sie können ja mit mir fahren, in zwei Minuten bin ich wieder hier" - und gehe mal eben auf die sanitären Anlagen mit Musikbeschallung. Mit diesem Australier komme ich nach einem anderen kurzen Austausch - und nachdem ich mich auf seinen Sprachrhythmus eingetuned habe, völlig andere Betonungen und zunächst schwerlich für mich zu verstehen, die Melodie weit entfernt von anderen Englischsprechenden - doch noch auf Wetter zu sprechen. Nämlich auf die angeblichen "Feuerkatastrophen" auf seinem Kontinent. Nein, das sei überhaupt nicht unüblich bei ihnen im Sommer. Und der letzte Winter wäre sehr trocken gewesen - so daß nun bei 45 Grad die ausgetrockneten Gräser schnell Feuer gefangen hätten. Ein Holländer berichtet, daß die Hallen inzwischen auf dieser traditionellen Messe nur noch halb ausgefüllt wären - die Geschäfte gehen zurück.. Der Südafrikaner in feinem, elegantem Anzug, gefällt mir wegen seiner sehr ruhigen und gelassenen Art - und einer angenehmen, äußerst höflichen Kommunikation. Drei ältere Italiener fahre ich - und genieße den Gesang ihrer Sprache. Der Zahlende - gibt ein für Italiener ungewohntes und fürstliches Trinkgeld. Andere Kulturen - lassen sich alles auf den Cent zurückgeben. Auch ok. Es gleicht sich eh immer wieder aus. Insgesamt - sind diese Süßwaren-Messe-Leute - wirklich süßer als Andere. Ob´s mit der Branche zu tun hat? Eine schrille, spanischsprechende Schönheit aus südamerikanischen Gefilden fällt mir auch noch in die Limousine - völlig unverhofft. Die - geniesse ich am meisten - mit wenigen Worten gibt es viel zu lachen. Ob ich doch mal wieder an ein paar Sprachkenntnissen feile? Manchmal macht es wirklich Spaß, zwischen diesen hin- und her zu springen. Wie so oft schon stelle ich fest, daß dies immer dann am Leichtesten ist, wenn mensch erst gar nicht darüber nachdenkt.

Morgenschreck - 2 mal 2 zerstochene Reifen

Freitag Morgen, zwanzig vor sieben, gehe ich frohen Mutes aus dem Haus und setze mich in mein Auto, um in die Kolonie zu fahren. Als ich gerade losfahren will, bemerke ich, daß mein Auto irgendwie sehr schief steht. Steige aus und gehe im Dunkeln auf die andere Seite, um festzustellen, daß ich mal wieder einen Platten habe. Verdammt! Ich muß doch endlich mal wieder Limousine fahren und ein paar Euro erwirtschaften - nach den beiden schon wegen Eis ausgefallenen Tagen.
Da ich keine Praxis im Reifenwechseln habe - und in solchen Situationen auch keine Nerven für Experimente - nehme ich das wiederholt geäußerte Hilfsangebot des Nachbarn an und klingel bei ihm - seine Frau öffnet mir und  meint, nein - Reifen wechseln ginge nicht, wegen seinem Rücken. Ich entschuldige mich für die frühe Störung und rufe den ADAC. Wenig später klingelt es bei mir - der Nachbar ist´s und vermeldet "Sie haben ZWEI platte Reifen. Und ich auch." Mutwillig zerstochen, in die Seite, so daß nichts mehr repariert werden kann. Ich schlage vor, nun mal die Polizei zu rufen - denn es ist ja nicht das erste Mal. Zwei in die Vorderreifen gedrehte Schrauben vom Sommer - glücklicherweise bin ich damit nicht abgeschmiert - und jetzt das hier. Der engelsgeduldige ADAC-Helfer tauscht unbürokratisch beim Nachbarn, auf meinen Auftrag mit, der Ersatzreifen auf Felgen in seiner Garage hat, die beiden kaputten Räder - nachdem er die Einstichstellen geortet hat. Bei mir die gleichen Einstichstellen - aber ich habe keine Ersatzreifen und sitze nun erst mal fest. Später pumpt er diese auf und ich fahre vor ihm her in die Werkstatt - solange hält die Luft. Nein, meine Reifen seien nicht vorrätig beim Händer. Ich gehe also in der klirrenden Kälte - inzwischen ordentlich durchgefroren vom Warten und Organisieren seit zweieinhalb Stunden draußen - wieder nach Hause und telefoniere wegen verfügbaren Reifen. Lasse diese vom freundlichen Reifenhändler mittels Taxi zur Werkstatt bringen und die montieren sie mir. Alles in allem - 7 Stunden und zweihundert Euro, die ich nicht habe. Ich nutze diese Zeit für ein Mentaltraining - indem ich meinem Verstand jegliche unnötige Panik untersage und auch keine demotivierenden Gedanken zulasse, wie "Ach, das lohnt sich doch jetzt nicht mehr, noch in die Kolonie zu fahren." Um 14 Uhr fange ich also an mit meinem Job - statt um 7 am Morgen. Und diesmal - ist die Limousine sogar wie Balsam - weil sie mich ablenkt von dieser häßlichen, wiederwärtigen Geschichte mit dem hinterfotzigen und durchgeknallten Reifenschlitzer. Komme noch in einen glimpflichen Lauf - besser als erwartet.
Der bittere Geschmack bleibt - von nun an quasi jeden Morgen.
Die Polizei kam noch - und wir haben beide Strafanzeige erstattet - gegen "Unbekannt" natürlich. Ob einer von uns Feinde hätte? Nein - nicht daß ich wüßte, ist meine Antwort. Ich kenne die Leute hier ja nicht einmal, bin erst im Mai hierhin gezogen. Ob ich welche aus der Kolonie "mitgebracht" hätte? Nein. Der Nachbar hat auch keine ihm bekannten Feinde. Aber er hat da so einen Verdacht .... Auch sowas - hat einen bitteren Beigeschmack - ebenso, wie meine Gedanken zu dieser Angelegenheit. Einer im Hause blieb verschont - sein Auto stand in seiner Garage.
Tja - soweit - so übel. Da machst Du nicht viel. Bleibt die Hoffnung, daß der Übeltäter Wind davon bekommen hat, daß wir diesmal die Polizei gerufen haben - und das ihn das abschrecken wird in Zukunft. Ich werde nochmal auf der Wache vorbeifahren wegen einem Schriftstück - und fragen, ob ich nicht auch Anzeige erstatten kann wegen "versuchtem Totschlag" oder sowas .... das ist wirklich kein Witz.
An diesem Tag - lerne ich dennoch was - nämlich darüber, nicht aufzugeben - und stoisch zu tun, was gerade zu tun ist, um wieder an den Start zu kommen. Der Verstand will - auch berechtigt - lärmen, wie sinnlos und frustrierend das alles ist. Doch das hilft nicht weiter. Und es geht ja - immer weiter. Erinnere mich an den Spruch - "Aufstehen, Dreck abklopfen, weitergehen." - der hilft.
Eine andere, schale Erinnerung  kommt auf - dieses Gefühl, kein Zuhause zu haben und nirgendwo "sicher" zu sein. Seit langer Zeit - fahre ich so gerne Limousine wie selten und genieße, was mir das Leben so schenkt. Übe mich darin - nicht mehr allzu viel an diese häßliche Begebenheit zu denken und bekomme von den Gästen soviel Trinkgeld wie selten. Erzähle die Geschichte niemandem, will sie nicht nähren. Hier - halte ich sie kurz in Lettern fest - für den Fall, daß ich mich nochmal erinnern müssen sollte - was ich nicht hoffe.

Montag, 21. Januar 2013

Zügige Morgenentscheidung

Auch heute morgen - galt es wieder, eine Entscheidung zu treffen. Diesmal - ging es zügig, nachdem ich etwa 10 Zentimeter Schnee gegen 5 Uhr von den schrägen Fenstern schob. Nein - ich werde auch heute nicht in den Kampf gegen eisige Straßen ziehen. Zwei Bilder tauchten vor dem geistigen Auge auf - das eine sehr anstrengend, mich durch Schnee und Eis kämpfend über einen tristen Mondtag in der Kolonie mit fleißig über ihre Unfälle berichtenden, nassen, dampfenden Fremden an der Seite. Der Körper in Konzentration verkrampft über Stunden.
Das Andere: Ich gebe heute fröhlich auf, lasse es sein. Sortiere, was ich zu sortieren habe - davon habe ich noch reichlich - und gehe Schnee schieben, wenn es taghell wird - im Rahmen meiner Hauspflegewoche. Und ich genieße es - mich entscheiden zu dürfen - für das Eine oder das Andere. Ein Anruf ist schnell getätigt gegen halb sechs. Alles klar, kein Problem. Fein. Der übliche "Mindfuck" - darf heute entfallen.
Was der Tag tasächlich bringt - wird sich zeigen. Natürlich gibt es unzählige Optionen von Seiten des richtigen Lebens - nicht nur die zwei, die mir als Bild erschienen.
Die erste Abwandlung meiner Entscheidung findet bereits statt: Der Nachbar von unten schiebt gerade, seit halb sieben, tatkräftig den Schnee zur Seite. So hat sich also dieser Teil meines Tagesplans bereits gewandelt.
Einem alten Gewissensimpuls - ging ich nicht nach, ich konnte gerade noch wiederstehen, hinunterzulaufen und ihm mitzuteilen, daß ich das unbedingt nachher machen möchte. Was getan ist - ist getan. Wenn einer schneller ist als ich - und in solchen Fällen ist das keine Schwierigkeit - bittesehr. Ich verzichte also - auch heute wieder - auf die Vergabe eines Arbeiter-Denkmals an meine Person. Und lerne weiter - umzudenken. Sanftmut - statt sinnfreiem K(r)ampf. Oder so .... Der Verstand ist einverstanden - auch bei ihm ist Winter eingekehrt und eine gewisse, mit milder Müdigkeit verbundene Einsicht, daß ein altbekanntes "Weiterkämpfen" mit magerem Erfolg zu nichts Neuem führt. Heute ist das "(Mich) Versagen" schon viel süßer. In der Erinnerung an den Herrn Einstein, der ja mal sinngemäß gesagt haben soll, daß ein mensch seine Hindernisse nicht derart bewältigt, indem er immer wieder das Gleiche tut. Schönes Bild von der wilden Gans dazu: Das Fenster aufmachen und ein Lied singen. Danke für die Anregung.

Sonntag, 20. Januar 2013

(Sich )Versagen, nachlassende Geld-Gedankenschleifen und Balsamgespräch

Es ist einfach: Wenn ich genug Geld hätte - bräuchte ich mir keinerlei Gedanken zu machen - um einen Tag, den ich nicht fahre - weil mir meine innere Stimme sehr laut und deutlich seit den frühen Morgenstunden sagt: "Laß es sein!" Jetzt kommt aber dieser "Geldterror" dazu. Du mußt, Du brauchst - und gerade jetzt ist es knapp. Außerdem - und dies ist der eigentliche Gewissensbiss - reitest Du Andere finanziell mit rein. Usw. .... Mit genügend Geld im Hintergrund - wäre es also gar kein Thema. Daher ist das Thema ja auch ein Anderes. Da ich einen solchen Tag, an dem ich "versage", nur schwerlich einfach unbeschwert geniessen kann - werde ich ihn also nutzen, um meine Gedanken-Konditionierung zu beobachten. Diese sitzt tief und ist sehr alt. Könnte ich jetzt vermuten. Vielleicht sind aber auch dies nur - Gedanken. Und Gedanken erschaffen ja bekanntlich Welten. Die Übung bleibt: Alle nutzlosen Gedanken sein zu lassen und ihnen keine weitere Aufmerksamkeit geben. Einfach - ein Tag - anders, als geplant und angedacht.

Ich bin sicher nicht alleine mit diesen terroristischen Gedanken, was ich alles "tun" und "schaffen" muß. Nicht umsonst heißt es ja, immer mehr Leute hätten "Burn-Out". Burn-Out - hieß früher mal Depression. Wie es auch genannt wird - ich denke, es handelt sich um eine Wahrnehmung von Sinnlosigkeit. Sinnlosigkeit - seine Lebenszeit mit Tätigkeiten zu verbringen, für die es zwar (oft wenig) Geld gibt - die aber nicht unbedingt Freude machen. Und eben - keinen echten Sinn. Geld alleine - ist kein Sinn, höchstens Zweck. Mittel zum Zweck. Wenn aber die Mittelbesorgung das Leben bestimmt - wird es gefühlt-sinnlos. Im Grunde ist es das ja auch - also das Leben an sich sinnfrei - aber die Suche nach einem Sinn scheint dem Menschen eben innezuwohnen.
Ich würde nicht mal sagen, daß ich einen "Burn-Out" habe. Was ich gut kenne - ist eine Unlust auf weitere, langweilige Wiederholungen. Das ist aber kein gravierender Burn-Out. Ich finde mich - wie vermutlich viele andere Menschen - in mehrmals am Tage wechselnden und verschiedenen Stimmungen wieder, auf einer breiten Palette. Bin ja oft des Jobs sehr müde und der Jagd nach ein paar Kröten. Diese temporär-tiefe Müdigkeit steht aber schlicht sehr eng und einfach mit der im Job gegebenen, körperlichen Bewegungslosigkeit in Zusammenhang - mangelnde Durchblutung also, in Körper und Geist, um es noch schlichter zu sagen - und nach ein paar Jahren stellen sich auch die entsprechenden Schmerzen ein, wenn man nicht ausgleicht. Bewegungslosigkeit macht eben müde - der Mensch ist ebenso wie alle anderen Tiere ein Bewegungstier.
Dennoch - stehe ich ja morgens auf und habe somit auch immer wieder die nötige Energie, um einen neuen Tag zu beginnen. Und meistens - gibt es auch gute Momente und was zu lachen - wie gestern noch, als ich mich mehrmals laut lachend über diverse Absurditäten auf der Straße wiederfand. Auch einmal über ein junges Paar, welches offenbar sehr selten Taxi fährt - die Kälte wehte sie mir hinein. Die waren ganz nett und "unschuldig". Am Ende standen 8,35 Euro auf dem Taxameter - und sie sagt tatsächlich zu mir "Machen Sie 8,40 Euro." Ich gebe das Wechselgeld raus und als die beiden weg sind, muß ich ein paar Tränen lachen über diese Ansage. Sie wußte es einfach nicht besser - und für mich war´s amüsant.

Ein Buch ("Dharma-Road") erinnert mich gerade freundlich an den sogenannten "Anfängergeist" und ich gebe dem amerikanischen Schreib- und Fahrkollegen recht: Es ist sinnvoll, sich einen solchen "Anfängergeist" zu bewahren und sich nicht "endgültig-abgeklärt" zu wähnen. Jeder Tag bleibt neu. Manchmal weiß ich das - und manchmal vergesse ich das. Letzteres läßt den Menschen samt Körper und Geist einrosten - wie ich ebenfalls aus eigenem Erleben weiß. Wer denkt, es käme nichts Neues mehr - der bekommt genau das. So wie ich in den vergangenen Jahren - als ich mich "abgeklärt" wähnte. Wer aber weiß, daß er nichts weiß - dem steht die Welt weiter/wieder offen, um über sie zu staunen. Auch die eigene, innere.
Habe mich inzwischen selbst ausgetrickst - mit ein paar Schlucken Rotwein. Das beendet zügig die Gedankenkreise, die da seit zwei Stunden in der Schleife namens "Soll ich nicht doch noch los?!" kreisen. Nicht, daß ich mich jetzt besaufen würde - habe gar nicht soviel Sprit im Haus - aber mit einem Glas Rotwein im Blut erledigt sich die Frage zügig, ob ich nicht noch losfahren möchte. Simpler Trick. Nein, ich möchte  nicht mehr losfahren. Ich möchte jetzt - während es draußen lustig weiterschneit - alte Gedanken-Muster lösen. Fühlen, wie es sich anfühlt - (sich) zu versagen. Erstaunt fühlen - daß immer noch keine Panik aufkommt, obwohl ich gerade durchaus Geld bräuchte. Andererseits - schon sehr ironisch - kam ja auch kaum Geld rein und wurde es mir auch noch kurzerhand geklaut neulich gegen Schichtende - alles, obwohl ich ja normalerweise meine Schichten durchziehe.  

Eben - ruft mich der Sohn vom Noch-Unternehmer an - ob ich draußen wäre? Nein, bin nicht gestartet heute morgen. Er auch nicht, teilt er mir mit. Er "durfte nicht" ....seine Geliebte hat protestiert. Normalerweise fährt er eh nicht an den Wochenenden - hat Frau und Kinder und will schließlich auch noch Lebens-Qualitäts-Zeit mit diesen verbringen, aber jetzt war halt Möbelmesse.  Andererseits seien ja heute nur noch die "Honks" da ... - (???) was sind denn bitte "Honks"? - ... das sind die Nicht-Business-Privat-Messe-Besucher, die wenn überhaupt eh nur bis zum Bahnhof wollen. Jetzt geht´s also stattdessen mit den Kindern raus - Schlittenfahren. Ich solle mir kein schlechtes Gewissen machen, wäre eh sinnlos heute - und gefährlich. Und er - kennt das selbst sehr gut, dieses Theater mit dem schlechten Gewissen. Aber es würde sich in der Tat nicht auszahlen - und ein potentieller Unfall bei dem Wetter sei auch nicht erstrebenswert, brächte ggf. eh nur wieder viel Ärger mit sich - für die paar Kröten. In vier Wochen sei das eh wieder vorbei mit dem Schnee. Falls ich morgen auch nicht fahren würde - dochdoch ....steht zumindest bisher so auf dem Plan - soll ich Bescheid sagen, er könne ein Fahrzeug brauchen. Gut. Schon taucht eine süße Verlockung auf - morgen ggf. nicht zu fahren - ich werde es morgen früh nach dem Aufstehen peilen, wie die Lage ist. Tut gut - wenn man sich gut versteht - auf gegenseitiges Verständnis trifft. Der Anruf tut gut wie feines Balsam.

Für einen dressierten Kämpfergeist - bleibt es eine Übung, zu versagen. Sich zu versagen. Neben dem einstigen "Stell Dich nicht so an!" ertönt noch ein "Kann ich nicht, heißt, will ich nicht." Stimmt. Ich wollte - heute - nicht können.
Die Relation zwischen Einsatz und möglichem Ergebnis - stimmte nicht, in keiner Weise. Dies zu lernen - ist auch gut. Früher mal - war ich bei jedem Wetter draußen - manchmal sah ich stundenlang kein anderes Taxi weit und breit. Auch nicht auf dem Display. Der Körper zog sich dann mittels plötzlicher Krankheit - Grippe oder Bronchitis - aus dem Verkehr, manchmal für drei Wochen. Macht auch keinen Sinn.

Das Leben selbst - bleibt also - sinnlos. Von Haus aus. Das bedeutet aber nicht - das man allen Unsinn mitmachen muß.  Zum Glück. 

"Stell Dich doch nicht so an" ....

... Bearbeitung des alten, oft gehörten Kindheitsmantras in diesem Winter. Die dritte Gelegenheit. Einmal habe ich ja schon beschlossen, wegen Schnee und Eis nicht zu fahren, im vergangenen Dezember. Vergangenen Montag stellte ich nach einer glimpflich überstandenen Erstfahrt am frühen Morgen nach blitzgefährlichem Blitzeis die Kiste für zwei Stunden stoisch am Rand ab, bis der Streudienst durch war. Heute - wieder eine Entscheidungsfindung - es schneit sich ein, wie vorhergesagt, und etwas in mir weigert sich, überhaupt loszufahren bzw. loszurutschen. Den lieben langen Tag auf zwei Tonnen Blech zu schliddern ist wahrlich kein Spaß. Und die wenigen Meter, die mensch bei diesen Straßenverhältnissen zurücklegt, bringen nicht viel ein, außer hoher Anspannung. Es wiederholt sich also etwas in diesem Winter - die Frage, ob ich bereit bin, auf mich selbst zu hören bzw. auf die sogenante innere Stimme, die mir klar mitteilt: Laß es sein - es lohnt sich nicht, für ein paar Euros derartigen Streß zu machen und den ganzen Tag alle Konzentration darauf zu verwenden, keinen Unfall zu bauen. Viele Fahrgäste haben übrigens die äußerst sensible Eigenschaft, bei solchen Gelegenheiten ihre eigenen Unfallerlebnisse zum Besten zu geben oder kräftig zu unken, wie gefährlich das doch sei, bei solchem Wetter zu fahren. Sie merken nicht, wem sie das gerade erzählen.
Es gilt also heute wieder, die alte zweite Stimme - das ist die des konditionierten schlechten Gewissens und des Pflichtbewußtseins - diese Stimme, die sich wiederholt in einem ewigen "Stell Dich nicht so an." zu entkräften und bei dem zu bleiben, was mir gerade etwas Anderes erzählt: "Stell Dich an. Und laß es." Dieser Job bringt auch so schon genügend "Härten" mit sich, auch, wenn die Straßen frei sind.
Wie beispielsweise die beiden völlig volltrunkenen Herren gestern am Abend, die von der einen zur nächsten Kneipe im Viertel wollten. Ansage war "Zur Annie". Antwort "Ja, gerne. Wenn Sie mir sagen, wo ich die finde?" Die üblich-unangemesse Anrede wie "Liebschen" und "Herzschen" ließ ich irgendwo fernab von meiner Person einfach verhallen und freute mich, daß die nur eine kurze Strecke mit mir zurücklegen wollten.  Der eine reicht mir von hinten einen 20-er rüber, den ich gerne entgegennehme - die Fahrt selbst macht 3,65 Euro. Fein. Der Andere ranzt ihn an "Bess Do beklopp` - 20 Euro - wir fahren doch nur ein paar Meter?!" Ich meine - "Ach, das ist völlig in Ordnung so - nach einem anstrengenden Tag darf ich auch mal Glück haben." und stecke den Schein weg.

Auf der vorhergehenden Fahrt unterhalte ich mich mit dem kölschen Mann über eine Fernsehsendung, die ich mir ausnahmsweise anschaute - es ging eine Dreiviertelstunde um das Taxigewerbe nach dem Krieg und bis in die 70er, 80er Jahre. Zwei der dort zu Wort kommenden alten Hasen habe ich noch manchmal auf den Straßen angetroffen, bevor sie vor Kurzem in den Ruhestand gingen. Vollblut-Taxileute. Einer meint - viele würden erst mal als Aushilfe anfangen und dann hängenbleiben - es wäre eine Art Sucht und manch einer könne nicht mehr aufhören. Ich weiß, was er meint - nannte das früher immer "Haßliebe" - aber es gibt schönere Süchte und ich gehöre eh nicht zu diesen Völlig-Infizierten, die es zweifelsohne gibt. Besonders solche, die eine eigene Limousine haben - da ist die Versuchung groß, immer weiter zu fahren. Habe das ein paar Mal ebenfalls gemacht, wenn ich wußte, daß die Limousine keine Nachtbesetzung hat - und dabei fiel es mir jedes Mal besonders auf, in welchen Sog das ziehen kann.
Der Fahrgast fragt mich auch, was ich denn zu der Sache mit der Kollegin meine? Normalerweise hätte ich keine Ahnung gehabt, was er meint - aber die gute Wildgans sandte mir neulich einen Link zu der Geschichte: Eine junge Kollegin hatte Ärger mit einem Fahrgast, der sie angrapschte. Sie fuhr ihn - um eines sicher übel schmeckenden Pseudofriedens -  nach Hause und ging danach zur Polizei, um den Vorfall zu melden. Wenig später traf sie nochmals auf den gleichen Typen und weigerte sich, ihn erneut zu fahren.  Schickte ihm sogar noch einen anderen Kollegen. Und bekam daraufhin von ihrer Unternehmerin die Kündigung - der Typ hatte sich beschwert über sie, sie sei der "Beförderungspflicht" nicht nachgekommen. Die Unternehmerin begründet die Kündigung damit, daß die junge Frau, die bereits sieben Jahren unterwegs war, nicht hart genug sei für das Geschäft. Sowas müsse diese locker wegstecken. Wenn sie das nicht könne, wäre sie gefährdet in diesem Metier. Soso ... Was kann man dazu sagen? Da prallen Weltsichten aufeinander - und vielleicht ist die dieser Unternehmerin sogar in Teilen verständlich - jedenfalls ist ein kleiner Teil bitterer Wahrheit dran. Was eine gewisse Härte betrifft - was ganz sicher nicht bedeutet, daß frau sich angrapschen lassen müßte - im Gegenteil.
Dennoch - ist es ein dickes Ding und sicher völlig überzogen. Eine interne Unterhaltung miteinander im Sinne von konstruktivem Austausch über gewisse Potentialitäten - hätte ja hier völlig gereicht.
Ich sage dem Fahrgast noch: "Die Fahrerin hätte natürlich auch anders reagieren können, beispielsweise hätte sie direkt mitsamt dem Grapscher zur nächsten Polizei fahren können - aber von außen kann man sowas nicht beurteilen, da muß jeder von uns für sich die angemessene Reaktion finden, im Moment." Nein - ich sehe es nicht so, daß es "als  Frau" gefährlicher sei. Ist jedenfalls nicht meine Wahrnehmung. Wie die oben erwähnte kurze Dokumentation mit alten Hasen verschiedenster Couleur ebenso zeigt, wie manche Gespräche mit männlichen Kollegen zur Thematik.
Ich selber fahre vor allem deshalb nicht nachts - weil ich mir dann ein noch dickeres Fell anschaffen müßte und überhaupt spätestens gegen drei Uhr morgens einschlafen würde. Seit ich mal einst für eine kurze Weile eine Kneipe hatte - quasi als krönenden Abschluß für ein jahrelanges Nachtleben - habe ich auch für mich beschlossen, daß ich mein weiteres Leben lieber am Tage leben möchte. Genau zu dieser Zeit - machte ich damals meinen Taxischein.
Vor allem aber hätte ich Bedenken, weil ich selbst recht aggressiv reagieren kann, wenn mir einer blöde kommt. Ich hätte also vermutlich allzu oft Streß mit den betrunkenen Vögeln. Bislang - ging es noch relativ glimpflich in den meisten Fällen, frau lernt dazu im Lauf der Jahre. Wenn einer aggressiv ist - dann ist er eben aggressiv - und dann will er es eben sein. Es gibt viele Facetten hier, auch subtile. Für mich ist das wichtigste, sowas nicht mehr persönlich zu nehmen - das ist schon die halbe Miete. Und meistens - denke ich über sowas erst gar nicht "nach" oder "vor" - es lohnt sich gar nicht.
Mit Angst - läßt sich der Job nicht machen, soviel ist klar. Und die einzige echte Angst, die ich habe - ist die vor Glatteis mit einer Kiste, mit der sich kaum und oft gar nicht mehr reagieren läßt. Mit der Du nicht mal die kleinste Steigung mehr nehmen kannst - wie neulich bei dem Blitzeis. Oder im Dezember bei kräftigem Schneefall, als ich während vier Ampelschaltungen auf der Stelle hängenblieb, weil nur noch das Heck irgendwo hin trudelte, aber keinerlei Vorwärtsbewegung mehr möglich war. Vielleicht lerne ich ja noch, auch das gelassen zu nehmen. An Tagen wie heute - fehlt mir jedoch jeglicher Ehrgeiz für solche Übung. Und die eigentliche Aufgabe stellt sich für mich anders, wie am Anfang beschruben.
Irgendwie - geht´s auch um ein "Versagen". Um ein Nicht-Durchhalten. Um ein Nicht-Funktionieren. Fühlt sich ungewohnt an - und unbequem.
Nicht funktioniert hat auch mein "Nachbarschafts-Pflichtgefühl" - irgendwer hat schon am frühen Morgen den Weg freigeschaufelt ... und ich bin mal wieder nicht freudig von oben dazugeeilt. Nicht-Funktionieren ist gar nicht so einfach.